Von Sternen zu Atomen. Das Observatorium Neuenburg
https://www.etoiles-aux-atomes.ch/expositions/mih
Die Ausstellung «Die Uhrzeit bestimmen» zeigt anhand mehrerer Originalobjekte, die von den Mitarbeitern der kantonalen Sternwarte Neuenburg verwendet wurden, wie die Uhrzeit im Laufe der Geschichte der Zeitmessung definiert wurde, welche Leistungen auf dem Gebiet der Chronometrie erreicht wurden, welche physikalischen und menschlichen Grenzen es bei diesen Bestimmungen gab und was für wirtschaftliche und soziale Auswirkungen dieses Streben nach Präzision hatte.
Die Schliessung der kantonalen Sternwarte Neuenburg im Jahr 2007 und die Fortführung einiger ihrer Aktivitäten durch andere, der Grundlagen- und angewandten Forschung oder dem Technologietransfer mit dem Ziel einer industriellen Nutzung gewidmete Institutionen haben wichtige Fragen bezüglich der Erhaltung des materiellen und immateriellen Erbes aufgeworfen, das die Sternwarte hinterlassen hatte. Dieses Erbe erforderte eine systematische, fachübergreifende, interdisziplinäre und umfassende Aufarbeitung. Dies ist das Ziel des Teils «Die Uhrzeit bestimmen» der Ausstellung «Von den Sternen zu den Atomen», der im MIH in La Chaux-de-Fonds zu sehen ist.
Die Ausstellung stützt sich auf die neuesten Forschungen der Universität Neuenburg und der Fachhochschule Arc Abteilung Konservierung-Restauration zu den Sammlungen des MIH mit einem Bezug zur Sternwarte.
Ein grosser Teil der historischen wissenschaftlichen Instrumente wurde von der Sternwarte als Depositum im MIH hinterlegt. Damit konnte die Erhaltung dieses ebenso einzigartigen wie wertvollen, mit der allgemeineren Geschichte der Zeitmessung verbundenen kantonalen Kulturerbes gesichert werden. Aufgrund dieser Sammlung lag es nahe, dass sich das MIH mit der Frage der Zeitbestimmung mittels Meridiankreisen, Chronographen, mechanischen Präzisionsuhren, Quarz- und Atomuhren befasste.
Die Präsentation der wissenschaftlichen Instrumente der Sternwarte erfordert einen gewissen Aufwand an Kontextualisierung, Interpretation und populärwissenschaftlicher Vermittlung, um über die reine Funktion hinaus die Verwendungszwecke und Anwendungsbereiche der Objekte zu verdeutlichen. Ein photographisches Zenit-Teleskop oder eine experimentelle Atomuhr mit kontinuierlichem Cäsiumatomstrahl können beispielsweise nicht einfach als Kuriositäten ausgestellt werden. Das Abstraktionsvermögen, das den Besucherinnen und Besuchern abverlangt wird, ist hier sehr gross – insbesondere auch angesichts der Grössenordnungen, in denen diese Instrumente operieren: unendlich gross, jene der Sterne, oder unendlich klein, jene der Atome. Genau darum geht es in der Ausstellung «Die Uhrzeit bestimmen» des MIH. Hinter der Anrufnummer der sprechenden Uhr oder der Zeitanzeige auf dem Display eines Mobiltelefons steckt die Arbeit der «Zeitfabriken» in den Sternwarten und im Anschluss daran in den metrologischen Institutionen. Diese im MIH ausgestellte materielle Geschichte der Zeitbestimmung ist nicht frei von menschlichen Faktoren. Diese stehen sogar im Mittelpunkt.